GegenWind Saarland



 Pachtvertrag - Risiken



Zwecks leichteren Verständnisses ein Beispiel-Szenario

(Alle Angaben ohne Gewähr, sie können sich von Projekt zu Projekt unterscheiden!)


Ablauf
  1. Der Investor gründet für das WKA-Projekt eine eigene GmbH (in der Branche nicht unüblich, von der zuständigen Gemeinde oft gerne gesehen, damit ein Teil der Gewerbesteuern der Gemeindekasse zugutekommt)

  2. Der Investor zahlt dem Verpächter 20 Jahre lang eine jährliche Pacht von z.B. 50.000,-€.
    = 1.000.000,-€ insgesamt

  3. Diese Einnahmen müssen jährlich versteuert werden!
    Steuersatz hierfür je nach Einkommenssituation 40-50% .
    Hier werden mal  45%  angesetzt.
    Von den Gesamteinnahmen in Höhe von 1 Mio Euro gehen also 450.000,-€ an das Finanzamt (22.500,-/Jahr)
    Dem Verpächter bleiben netto 550.000,-€ im Geldbeutel.

  4. Kurz vor Laufzeitende meldet die Betriebs-GmbH Konkurs an. (Vielleicht wegen Unfallschäden, steigenden Unterhaltskosten für die Anlage, verlorenen Prozessen usw. oder aus sonstigen Gründen)
    In einem solchen Konkurs liegt Ihr Hauptrisiko.

  5. Weil die Anlage 20 Jahren oft nur noch Schrottwert besitzt, muss sie abgerissen und samt Fundament beseitigt, alle Materialien entsorgt und das Gelände renaturiert werden.

  6. Das LUA erteilt die Baugenehmigung mit der Auflage an den Investor, die Rückbaukosten mit einer Bankbürgschaft abzusichern. Die vom LUA geschätzten Kosten für Abriss, Entsorgung und Renaturierung (AER) sind jedoch nach unseren Informationen deutlich zu niedrig angesetzt.
    (Stand: Oktober 2019 /  48.000,-€/MW / Werte für eine 3,3-MW-Anlage)

  7. Nach unseren Recherchen müssten rund 300.000,-€/MW für AER angesetzt werden;
    das ergäbe (linear hochgerechnet) für eine 5,6-MW-Anlage:
    5,6 x 300.000 = 1.680.000,-€. Das dürfte zumindest von der Größenordnung her passen.

  8. Für diese Kosten steht der Eigentümer des Grundstücks in der Pflicht, wenn der
    Betreiber/ der Pächter/ die Projekt-GmbH zahlungsunfähig werden sollte. Sollte
    auch der Eigentümer der Fläche nachfolgend in die Insolvenz rutschen, könnte das
    Problem an der Gemeinde hängen bleiben!


    Gemeindevertreter sollten sich deshalb die Kalkulation des LUA vorlegen und erklären
    lassen. Bei Unklarheiten sollte man einen Sachverständigen einschalten,
    bevor man
    als Mitglied des Gemeinderates sein Placet gibt
    .

  9. Grob-Abrechnung für den Pachtvertrag über die Gesamtlaufzeit von 20 Jahren

    Pachteinnahmen (20  x 50.000,-€)
      1.000.000,- €
    Einkommenssteuer (hier mit 45% angesetzt)     -450.000,- €
    Abriss und Entsorgung (nach 20 Jahren)  -1.680.000,- € *)
    Gutschrift aus der Bankbürgschaft (5,6 x 48.000)      268.800,- €
    Gesamterfolg     -861.200,- €

    *) Die Möglichkeit eines eventuellen Verlustrücktrages ist hier nicht berücksichtigt.

    Dieser Pachtvertrag könnte also ein riesiges Verlustgeschäft werden.

    Sie sollten daher vor Abschluss eines solchen Vertrages unbedingt
    mit Ihrem Anwalt und/oder mit Ihrem Steuerberater sprechen!


Sollten Sie bei obigen Angaben irgendwo Korrektur- oder Ergänzungsbedarf sehen, informieren Sie uns
bitte umgehend mit kurzer Begründung per eMail an
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